Einstein eröffnet die 7. Funkausstellung
"Verehrte An- und Abwesende!"
Eine Anrede mit Hintersinn: Einstein wandte er sich nicht nur an die paar hundert vor Ort anwesenden Gäste sondern sehr bewusst gleich an die gesamte abwesende - Radio-Empfangsgemeinde. Schärfer als die meisten Zeitgenossen sah er nicht so sehr in der Technologie - das Fortschrittliche des noch "relativ neuen Radioempfangs, sondern in der Massenkommunikation.
Am 22. August 1930 wehte ihm im Sommergarten der Messehallen hier finden noch heute die Highlights der Internationen Funkausstellung Berlin statt - der Wind ins Gesicht. Filmaufnahmen zeigen, wie seine schon damals weltberühmte Haarpracht von heftigen Böen zerzaust wird. Auch das erhaltene Tondokument seiner kurzen Rede gibt einen Eindruck davon - die damals aktuelle "Schallaufnahmetechnik" war gegen solche Störeffekte machtlos gegen seinen deutlichen schwäbischen Akzent sowieso.
Gegenwind gab es auch politisch: in diesem Jahr hatten die Nationalsozialisten bei vorgezogenen Reichtstagswahlen 107 Sitze gewonnen.
Die Weimarer Demokratie, für die Einstein von Anfang an konsequent eingetreten war, fiel auseinander. Einstein stand als Jude, Kosmopolit und "Vaterlandsverräter" im Zentrum der braunen Agitation. Der bekennende Pazifist bemühte sich geradezu verzweifelt, der weltweit voranschreitenden Militarisierung entgegenzuwirken. Auch die feierliche Eröffnungsrede lässt dies Botschaft anklingen. Von der neuen Technologie des Rundfunks erhofft er sich nichts weniger als einen Beitrag zur "Völkerversöhnung".
Die Veranstalter, (u. a. der "Reichsverband des Deutschen Sprechmaschinen- und Schallplatten-Handels e.V.) wussten genau, warum sie ausgerechnet Einstein als Eröffnungsredner ausgewählt hatten. Er stand für Visionen, für Modernität und neue Technologien. Wenn auch die "7. Große Deutsche Funkausstellung und Phonoschau" noch nicht so hieß: sie suchte INTERNATIONALEN Ruf. Und Einstein war zu dieser Zeit zweifellos der weltweit bekannteste "Deutsche" (eine Einordnung, der er immer abgelehnt hat)
mit der Einstein-Zitatmaschine!









