Einstein und der Minister
Walther Rathenau
Walther Rathenau, Industriekapitän, Intellektueller und Mann von Welt, war ein guter Freund Einsteins, mit dem er die jüdische Herkunft und politische Ideale teilte.
Walther Rathenau war eine der interessantesten Erscheinungen seiner Epoche. Von Hause aus Manager, erlangte er in Vorständen und Aufsichtsräten großen Einfluss, u. a. leitete er in Nachfolge seines Vaters die AEG. Als er Einstein 1916 kennen lernte, war Rathenau längst ein viel beachteter Publizist, der, obgleich selbst ein Wirtschaftslenker, auch sozialistische Positionen vertrat.
Noch widersprüchlicher war Rathenaus Haltung zu seiner jüdischen Herkunft: Obwohl die Taufe die Befriedigung seines grenzenlosen Ehrgeizes sehr erleichtert hätte, er sich seiner Glaubensgenossen, die er einmal als asiatische Horde auf märkischem Sand bezeichnete, schämte
und selber nicht gläubig war, blieb Rathenau dem Judentum treu. Teils sah er trotz allem mit Stolz auf die Zugehörigkeit zu dem Volk, das er das Salz der Erde nannte, teils stachelte das freiwillig beibehaltene Stigma seinen Ehrgeiz an und tatsächlich wurde er Anfang 1922 als erster Jude zum Außenminister ernannt.
Auch Einstein war ein Beispiel für die jüdische Akkulturation in Mitteleuropa, auch er war im bürgerlichen Sinn sehr erfolgreich. Doch war seine Haltung gegenüber Deutschland und den Deutschen eine ganz andere als die des deutschen Patrioten Rathenau. In seinem Nachruf auf Rathenau schrieb er: Ich bedauerte, daß er Minister wurde. Bei der
mit der Einstein-Zitatmaschine!









